Feste Wagner

 

   


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Groupe fortifié l'Aisne

Von den Römern bis zu den Deutschen

Der einbetonierte Krieg –Jubiläum im Metzer Festungsgürtel

Vor dem Kriege 1870/71 legten die Franzosen um die Metropole Metz einen Festungsgürtel. Die Deutschen ergänzten nach diesem Krieg diesen inneren Ring um weitere Forts. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten die Deutschen zusätzlich einen äußeren Ring von Festungen und Infanteriewerken an. In diesem Jahr lenkt die museal eingerichtete Feste Wagner mit ihrem 100. Geburtstag den Blick auf den Metzer Festungsgürtel.

Von SZ-Mitarbeiter

GERD MEISER
(der Artikel erscheint demnächst in der Saarbrücker Zeitung)

Friedrich und Raymond Decker haben nicht nur den Familiennamen gemeinsam. Sie verbindet auch eine profunde Kenntnis der Festungsanlagen sowohl in Lothringen als auch um Metz. Den inzwischen pensionierten Oberbürgermeister der Stadt Neunkirchen, Friedrich Decker, treibt es seit fast vierzig Jahren auf die Wälle und in die Katakomben der Forts und Festungen. Der ehemalige Major der französischen Luftwaffe, Raymond Decker, kümmert sich im Ruhestand ehrenamtlich, allerdings auch verantwortlich um die historischen Abwehrbollwerke. So begegneten sich denn auch der passionierte Festungsfachmann und Stadtverwalter Friedrich Decker und der erfahrene Pilot Raymond Decker  im Bunkerdunkel bei Metz. Sie lernten sich schätzen, und es entstand  eine deutsch-französische Freundschaft, symbolhaft begründet  durch die Metzer Militärbauwerke.

Dem Metzer Festungsgürtel muss sich der Besucher über die Römer annähern. Denn, so schreibt Rudi Rudolf in „Die deutsche Fortifikation“ (Biblio Verlag Osnabrück 1991) und viele andere Historiker in ähnlicher Weise: „Seit der Eroberung von Divodurum  Mediomaticorum“ im Jahre 52 vor Christus durch Julius Cäsar hatte Metz eine eminente Bedeutung als Militärstützpunkt in einer von vielen Reichen und Mächtigen begehrten Gegend“. Auch die Herrscher der folgenden Jahrhunderte setzten ihre Spuren in und um Metz durch militärische Bauwerke.

Im 18. Jahrhundert setzte die vollkommene Umgestaltung der Festung Metz ein. Eine militärische Infrastruktur wurde angelegt, Kasernen und Pulvermagazine errichtet.  Eine Verbesserung der Artillerie und der Bau von Eisenbahnlinien forderten eine stete Verbesserung der Festungsanlagen. Friedrich Decker, der in diesen Bauwerken eines einbetonierten Krieges gerne den Cicerone macht, berichtet von Séré de Rivières, einem französischen Festungsfachmann, der um 1867 sechs Werke entworfen hat, um den bastionierten Gürtel um Metz noch zu verbessern.  1870 prallten die französischen Streitkräfte und die Armeen der deutschen Staaten bei Metz aufeinander. Bereits im Oktober 1870 kapitulierte Metz. Die Deutschen übernahmen Stadt und Garnison. „Und schon befahl der preußische König schleunigst den Ausbau der Forts“, vermeldet Friedrich Decker. „Um die Jahrhundertwende“, so berichtet Friedrich Decker, „wurden mit dem äußeren Ring von der preußischen Fortifikation in einem Radius von 15 Kilometern mehrere große Festungen und Infanteriewerke errichtet.“ Laut Decker fanden während des Ersten Weltkrieges kaum Kampfhandlungen statt. „Nach1918 wurden die Festungen an die Franzosen übergeben, und wurden in den 1930er Jahren in den rückwärtigen Teil der Maginotlinie eingezogen. Nach der Besetzung 1940 durch die Deutschen wurden die Festen als unterirdische Produktions- und Lagerstätten genutzt.“ Als die Amerikaner 1944  vorrückten, erlebten die Betonbollwerke um Metz eine Renaissance. „Sie waren in Teilen heftig umkämpf und wurden stark bombardiert“, so Decker. Selbst nach dem Kriege hatten sie in Teilen noch eine Aufgabe: „Bis 1964, dem NATO-Austritt von Frankreich, wurden sie als Nachschubbasen und anschließend als militärisches Übungsgelände für die französische Garnison Metz genutzt.“ Dann aber verwaisten die Bauwerke. Die Natur begann ihren Eroberungszug und holte sich ihr Gelände zurück. Die Buschwerke und Bäume verbargen die Militärgeschichte. Da aber waren die moderneren Befestigungen der  Maginotlinie bereits für Touristen museal erschlossen.

Für den Neunkircher Oberbürgermeister aber sind die Namen der alten Festungen um Metz, wie Feste Lothringen, Feste Kaiserin, Feste Kronprinz oder Graf von Haesseler oder Feste Wagner nicht nur Begriffe französischer und preußischer Betonbastionen in den Metzer Wäldern. Er kennt auch im Detail ihre architektonische Gestaltung und ihre Einrichtungen. Denn er hatte für sich privat entdeckt, was sich in den 1970er, verstärkt noch in den 1980 Jahren, entwickelte. Der Bunkertourismus, dem nicht nur Franzosen und Deutsche, sondern mehr noch Belgier, Niederländer und Engländer huldigten. Anfangs gehörten dazu aber auch der Abbau und die Mitnahme von militärischem Gerät für diverse Heimatmuseen. Gegen den unkontrollierten Bunkertourismus in Lothringen musste die französische Armee einschreiten. Sie trug nämlich die Verantwortung für Vorkommnisse in den kilometerlangen, ungeschützten, dunklen Gängen und Verliesen der Bauwerke.

Inzwischen wurde daher ein über 114köpfiger Freundeskreis, die Association pour la Découverte de la Fortification Messine (ADFM) gegründet. Präsident ist Raymond Decker. Er hat schon im Alter von 16 Jahren die Kadettenschule der Luftwaffe besucht und war 31 Jahre Pilot der französischen Luftwaffe. Als Rentner wurde er inzwischen von der französischen Militäradministration in ehrenamtliche und verantwortliche Position gesetzt, um die Feste Wagner zu erhalten und auch demnächst womöglich  das Fort „August von Württemberg“ (Saint Privat). Denn die Feste Wagner und Fort August von Württemberg sind Museen innerhalb des Metzer Festungsgürtels. „Am Tag des Denkmals können aber auch die Forts Queuleu, St. Julien und Woippy besichtigt werden“, bemerkt Raymond Decker. Die anderen Festungswerke  sind zum Teil „abgedichtet“ und für den ungeordneten Touristenstrom unzugänglich gemacht worden.

  Ein vorbildliches Museum aber ist  südlich von Metz bei Verny und Fleury über dem Tal der Seille gelegene Feste Wagner. Im September wollen die Franzosen in dieser Feste Jubiläum feiern. Hier finden die Besucher Kraftwerksanlagen, Küchen, Backstuben, Kasernen mit Schlafunterkünften, Batterien und Geschütze. Auch Wandmalereien der kasernierten Soldaten sind zu bewundern. Denn, wie Raymond Decker bemerkt,  war die 1250 Soldaten fassende Kaserne kaum in Kampfhandlungen eingebunden. Zwei Mal sei lediglich aus Erprobungszwecken ins Gelände geschossen worden. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges sei auf den Bahnhof von Pont-à-Mousson geschossen worden. Während der Jubiläumsfeierlichkeiten aber können die Besucher „an einer Zehn-Zentimeter-Turmkanone, laden, richten, schießen“, verspricht Raymond Decker.

HINTERGRUND

Am 12. September findet von 9 Uhr bis  17 Uhr ein Tag der offenen Tür in der Feste Wagner statt. Ansonsten führen Mitglieder des Vereins Association pour la Découverte de la Fortification Messine Besichtigungen durch. Sie dauern etwa drei Stunden. Die Führung ist in Teilen ob er-, aber auch unterirdisch. Im bautechnischen sowie nachrichten- und waffentechnischen Bereich zeigt das Museum den Stand von 1914.  Die Feste Wagner war in Fern- und Nahkampfanlagen gegliedert. Die Fernkampfanlagen besaßen gepanzerte Flachfeuergeschütze und gepanzerte Steilfeuergeschütze.

 
 
   
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